Ich möchte Sie nun einladen, mit mir - in der Phantasie - ein Gartenjahr zu erleben! |
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Welch' Erlebnis, an einem sonnigen Februartag durch den Garten zu gehen, zu sehen, wie der Winterling seine gelben Blütenköpfe so mutig selbst durch eine dünne Schneedecke steckt. Dann kommen Schneeglöckchen, Märzenbecher und die ganze Farbenpracht der botanischen Krokusse. Besondere Freude bereiten mir die kleinen, hellvioletten Blüten der Leberblümchen, auch als Erinnerung an einen Gebirgsurlaub, aber mehr durch die Zartheit seiner fünfblättrigen Blüten, die schon blühen, bevor sich ein Blatt hervorwagt. |
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Der März bringt schon manchmal recht warme Sonnentage und einen ganzen Strauß von Frühlingsblühern. Unter den noch unbelaubten Sträuchern und Bäumen, an den Rändern des Gartens, blühen Buschwindröschen, Veilchen, Schabockskraut und die hellgelbe schaftlose Primel, die man oft in großen Mengen auf den Gebirgswiesen des Tessins antrifft. Mit jedem Sonnentag wird die ganze heimische Vogelwelt aktiver, und schon am zeitigen Morgen können wir dem Jubilieren der verschiedenen Vogelstimmen lauschen! |
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Im April sind es die botanischen Tulpen, die Wald- und Wiesenschlüsselblume, Lerchensporn, Narzissen und viele blühenden Bäume und Sträucher, die Bienen, Hummeln und die ersten Schmetterlinge anlocken. |
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Im Mai sind es die gelben und rosablühenden Etagenprimeln, die Sumpfdotterblume und die Trollblume, die die Teichränder mit ihrer Blütenpracht verzaubern. Maiglöcken und Waldmeister bedecken den Waldboden, und an den Gehölzrändern erblühen die ersten Fingerhutgruppen. Wie amüsant ist es, bei einem abendlichen Gartenrundgang eifrige Hummeln, laut summend und von Blütenstaub schwer, in den Glocken der Fingerhüte verschwinden und ebenso emsig weiterfliegen zu sehen. |
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Der Juni, als "Rosenmonat" bekannt, ist ein Höhepunkt des Gartenjahres. Die Rosen belohnen die richtige Pflege mit einer Fülle duftender Blüten. Ich liebe besonders die alten Sorten in den Tönen weiß bis dunkelrosa. Aber auch die große, buschig wachsende Rosa rugosa multiflora mit ihren Trauben kleiner, honigsüß duftender Blütenstände lockt nicht nur die Bienen an. Sehr viel sparsamer, aber deshalb nicht weniger reizvoll, blühen die den Halbschatten liebenden Wildstauden, und voller Anmut sind die verschiedenen Glockenblumenarten in ihren Farbschattierungen von weiß-blau bis dunkelviolett. |
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Die Monate Juli und August lassen den Garten in seiner ganzen hochsommerlichen Pracht erscheinen. Zwischen den nicht mehr ganz so üppig blühenden Rosen drängen sich Tuffs des Riesenschleierkrauts und lassen die Rosen nochmals erstrahlen. Phlox in allen Farben und der dahinter stehende Rittersporn läuten für mich den Höhepunkt des Gartenjahres ein. Von einem ganz Großen unter den Staudengärtnern - Karl Förster - stammt der Ausspruch: "Das Leben ohne Phlox ist ein Irrtum, nein Wahnsinn!" Und wenn ich zur Phloxblüte durch den Garten gehe, dann denke ich: "Wie recht hatte dieser große Gärtner!" |
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Der September läßt das Gärtnerherz schon etwas wehmütig werden, manche Stauden sind verblüht oder haben sich schon zurückgebildet. Aber alle Einjährigen, wie Ringelblumen, Tagetes, Malven, Cosmeen und die vielen Kübelpflanzen, blühen unverdrossen weiter. |
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Und im Oktober erfreuen uns die in verschiedenen Farben blühenden Herbstastern, wie ich finde, besonders schön anzusehen, wenn sie mit Septemberkraut kombiniert sind. Viele Sträucher und Bäume haben ihr Laub verfärbt, und alle beerentragenden Sträucher verzaubern nochmals die Gärten, ja, selbst die verblühten Blütenstände geben oftmals ein reizvolles Bild und für viele Wildtiere zudem noch Nahrung. |
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Der November ist der Monat, in dem die letzten Blätter von Bäumen und Sträuchern fallen, in dem eine oft wehmütige Stille sich über den Garten breitet. Der Monat des Rückzugs ist jedoch für aufmerksame Beobachter ein Trost: Sie erfreuen sich an den prallen Knospen der Bäume und Sträucher, die schon wieder das kommende Gartenjahr ankündigen. Für uns und unseren eigenen Seelengarten ist dies die Aufforderung, zur Ruhe zu kommen und dem nächsten Gartenjahr "entgegenzuträumen!" |